LA QUESTION DES AMATEURS ET DES PROFESSIONNELS À L'USINE HOLLANDER À CHOISY-LE-ROI
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Sylvie Roques, Patrice Bigel,
Das Projekt des Ensembles La Rumeur ist aus mehreren Gründen einzigartig :
die Theatervorstellungen finden an einem ungewöhnlichen Ort statt, der Usine Hollander in Choisy-le-Roi, in einem Pariser Vorort,
sie öffnen neue Ausdrucksperspektiven,
sie sind Experimente, in denen Laien und Berufsschauspieler zusammenarbeiten
sie sind eine Mischung von Tanz und Theater.
Solche Grundsätze weisen auf eine sich in der Entwicklung findende Thaterdisziplin hin; sie verschieben die eigentlich hermetisch geschlossenen Grenzen zwischen zwei Gruppen von Antagonisten der gleichen künstlerischen Praxis : Laien und Berufsschauspieler. Auch in der Theaterpädagogik beweist das Ensemble La Rumeur Ehrgeiz : es betreut einen Theaterworkshops für Gymnasiasten in Partnerschaft mit der Schulbehörde von Créteil ( Pariser Vorort). Es ist eine Herausforderung des Projektes, den Zusammenhalt trotz der unterschiedlichen Themen und Darsteller zu wahren.
Heute sind die Inszenierungen des Ensembles untrennbar von den örtlichen und baulichen Gegebenheiten der Usine Hollander in Choisy-le-Roi. Ihre Lage unterscheidet sich von traditionellen Schauplätzen öffentlicher Aufführungen. Die Usine hat lange die 1796 von Herrn Fauler gegründete Lederwarenindustrie Hollander beherbergt - und dies ist überall sichtbar und spürbar.
Später fanden andere Unternehmen ihren Sitz auf dem 3 Hektar umfassenden industriellen Brachland.
Im Jahre 1995 bezieht das Ensemble La Rumeur die Usine, zuerst nur zur Lagerung von Kostümen und Ausstattungen. Schliesslich findet die Truppe dort einen offenen Raum, der verschiedene Begegnungen und ganz neue Experimente ermöglicht. Der Ort wird zu einem Werkstatt für Theaterschaffende, so wie man sich das Ende der neunziger Jahre vorgestellt hatte. Die Umwandlung des Industriegeländes in eine Fabrik des Imaginären kann als Teil einer Bewegung aufgefasst werden, die in Frankreich erst Anfang der Achtziger und in England, Deutschland und Holland dagegen schon seit den Siebzigern entstanden ist : leere Fabriken werden wieder besetzt und in Produktionsschauplätze zur Verbreitung und Aufnahme verschiedener Kunstformen verwandelt.
Die Entstehung solch ungewöhnlicher kultureller Einrichtungen findet das Interesse des Kultusministeriums : die Usine Hollander wird Gegenstand einer Berichterstattung, in der das Ensemble und sein künstlerischer Leiter Patrice Bigel grosse Aufmerksamkeit auf sich lenkt.
Ende der neunziger Jahre entwickelt sich das Projekt weiter : der Ort wird so umgestaltet, dass er ein Publikum willkommen heissen kann. Im November 2002 ist die Usine Hollander gänzlich saniert. Die Neueinrichtung der Räumlichkeiten lässt dem Bühnenbildner mehr Freiheit. Auch die Stellung des Publikums verändert sich : es wird immer mehr mit in die Handlung und in das Spiel einbezogen.
"Wir können in der Vorhalle oder im Hof spielen, uns Inszenierungen ausdenken, die das Publikum an verschiedene Plätze führt. Der utopische Charakter der Usine Hollander liegt darin, dass man für jede Inszenierung eine eigne Szenographie entwirft. DieVorstellung wird solange gespielt, wie das Publikum da ist."
Der Emanzipation der räumlichen Regeln entspricht eine Emanzipation der sozialen Regeln. Dies gilt vor allem für den Wunsch, ein grösseres Publikum anzusprechen, indem man es mitspielen lässt.
" Lust, den Berufsalltag zu ändern, ein Bedarf an stärkerem Engagement, die Notwendigkeit ein anderes Publikum anzusprechen..."
Sylvie Roques, Revue Communications, 2008/seuil